gefördert durch die Maßnahme "500 LandInitiativen"


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Projekt: KUNST BEWEGT MENSCHEN

Mit dem geförderten Projekt wollen wir eine Begegnungsstätte in der Gemeinde sein, die sich explizit mit KUNST als integrativer Faktor in der Flüchtlingsbetreuung beschäftigt. Kunst kann vermitteln durch konkretes gemeinsames Handeln und Menschen, die im Alltag nicht oder wenig gemeinsam haben, dazu animieren, sich mit den „Flüchtlingen“ zu beschäftigen. Die Erfahrung zeigt,dass die Integration in dörflich geprägter Struktur, wie sie in Saarwellingen gegeben sind, auch und gerade über die Kunst funktionieren kann.

Das Atelier/Kulturort Mario Andruet ist dafür hervorragend geeignet. Wir freuen uns, dass wir durch die Fördermaßnahme "500 Landinitativen" einen Künstlerischen und Kulturellen Beitrag dazu leisten werden.


Pressemitteilung Atelier Mario Andruet                                                               Dr. Eva Kell

Sonntag, 11.3.2018

 

Viele Nationen bei der Internationalen Woche gegen Rassismus im Atelier Mario Andruet

Kurdisch, Arabisch, Französisch, Deutsch, Englisch, Spanisch und die Dialekte der Saarwellingen umliegenden Dörfer – in diesem Sprachgemisch verständigten sich ohne Probleme die Besucher und Künstler. Sie trafen sich im Atelier Mario Andruet zum Austausch über Kunstwerke, zur Diskussion über manches noch in der Entstehung begriffene Werk, zu kurdischer Musik von Salah und Khalil   und zu Kaffee und Kuchen.

Das Besondere: Jeder Künstler, unabhängig von seinen Sprachkenntnissen, stellte seine Werke selber vor und war dann sofort im angeregten Gespräch. Rassismus war ein Thema, das jeden berührte; vorgelebt wurde hier das Gegenteil.

In der Kunst des syrischen Kurden Kadro spiegeln sich, wie er selbst sagte, seine gesellschaftlichen und philosophischen Themen wider, die er zurücklassen musste. Sein Landsmann Haider präsentierte Radierungen und Grafiken der inzwischen zerstörten Altstadt von Aleppo, die er noch dort angefertigt hatte, deren Spiel mit Licht und Schatten, harten und filigranen Linien begeisterte.

Der aus Damaskus stammende Maher wagte erst hier in Deutschland seine ersten künstlerischen Schritte und wählte als eines seiner ersten Motive die Loreley, weil ihm die Sage so gut gefällt. Sein Mentor, Wolfgang Milbradt, stellte seinerseits das Flüchtlingsporträt eines Afrikaners aus, der versucht, nach Spanien zu kommen, abgehalten vom Stacheldraht, vor düsterem Hintergrund. Mario Andruet sprach über ein gerade begonnenes Werk, eines seiner typischen riesigen Triptychen, diesmal im Breitformat: eine kurdische Mutter mit ihrem toten Kind im Arm, getroffen von einer Kugel aus einem in Deutschland gebauten Gewehr.

Nebenbei und doch immens wichtig stellte sich dann auch schon einmal die Frage, wie eine kurdische Familie mit einem ganz kleinen Baby eine Wohnung ohne Schimmelbefall und mit besserer öffentlicher Anbindung findet, ob es eine Möglichkeit für einen begabten syrischen Grafiker mit Hochschulstudium gibt, dass er einen Arbeitsraum erhält, oder wie weitere interkulturelle Aktivitäten ins Auge gefasst werden können.

Diesen Austausch wollen wir fördern, so Waltraud Andruet,  mit dem Projektträger „500 Landinitiativen“ zu dem Thema:  KUNST BEWEGT MENSCHEN“. Das Projekt hat das Ziel, Menschen mit und ohne Migrationsbiografie durch künstlerische Betätigung spartenübergreifend zusammenzubringen und mögliche Stereotype abzubauen.

Einig waren sich alle darin, dass das künstlerische Potential, das die Flüchtlinge mitbringen, noch kaum beachtet oder gar gewürdigt wird. Diese Ausstellung ist daher ein Schritt in die richtige Richtung. Sie leitet weitere Aktionen der Woche gegen Rassismus in Saarwellingen ein:

14.3. um 19.00 Uhr Atelier Mario Andruet: Vortrag von Prof. Bernhardt Haupert zum Thema „Rassismus, Faschismus und alter/neuer Populismus“

16.3. um 16.00 Uhr Mahnwache am Schlossplatz Saarwellingen gegen Rassismus, zugleich zur aktuellen Lage im Nahen Osten/Syrien

17.3. um 11.00 Uhr. Aktion Stolpersteine zum Putzen der Steine in der Gemeinde Saarwellingen, Treffpunkt Schlossplatz Saarwellingen


Nächte interkulturelle Jamsession Musikworkshop am Sonntag 08.04.2018 ab 15:00 Uhr im Rathauskeller Schlossplatz.1 Herzliche Einladung an alle Musikinteressierte Menschen.


Nächte interkulturelle Jamsession Musikworkshop am Sonntag 18.02.2018 ab 15:00 Uhr im Rathauskeller Schlossplatz.1 Herzliche Einladung an alle Musikinteressierte Menschen.




     

     

    Freitag,22.September 2017 18:00 Uhr Bildausstellung von Mario Andruet und geflüchteten Künstlern aus Syrien mit Klanginstalationen von Daniel Osario/Musikandes: Ungerechtigkeit, Unfrieden,Zerstörung der Schöpfung ; Flucht

     

     

    Beitrag zu KUNST TRIFFT KRISE von Waltraud Andruet

     

    Vor knapp 50 Jahren wurde in Niederbronn-les-Bains im Nord Elsass (knappe 100 km von uns) die deutsche Kriegsgräberstätte eingeweiht. Über 15 800 Kriegstote fanden auf dem Friedhof ihre letzte Ruhe. Erschreckend viele 18-bis 20-jährige liegen dort, die noch kurz vor Kriegsende in die längst schon aussichtslose Schlacht geschickt worden. Neben dem Friedhof schuf der Volksbund 1994 eine Begegnungsstätte für junge Menschen mit dem Ziel, dort deutsch-französische Kontakte zu fördern. Die Hauptakzente liegen auf der aktiven Beteiligung der Schüler am Entdeckungs-und Lernprozess der Geschichte. Ohne Bewusstsein der Geschichte gibt es keinen Frieden. Bei pax christi nennen wir das „Erinnern für die Zukunft“. Das Geschenk der Versöhnung, dass wir Deutschen nach dem Krieg von Franzosen und später auch von Polen erhalten haben, führte 1948 zur Gründung von pax christi auf deutschen Boden. http://www.paxchristi.de/artikel/view/5908741127929856/60 Jahre pax christi
     

     

    Zu dieser „Erinnerung für die Zukunft“  gehört auch das Problem von Kriegsflüchtlingen. Unsere Eltern haben es noch selbst erfahren, was es heißt, auf der Flucht zu sein mit ungewissem Ausgang. Die Mutter von Mario, die in diesem Haus gelebt hat, wurde durch ihre Heirat sogar zur Italienerin. Der Vater von Mario, Eduard, dessen Vater aus Italien stammte, hatte sie im Zweiten Weltkrieg während der Evakuierung (St. Barbara nach Weida) in Weida kennengelernt und kurz danach geheiratet. So wurde sie zur Italienerin ohne die Sprache zu sprechen. Ihr Mann Eduard, der selbst nie in Italien gewesen war und im saarländischen St. Barbara mit sieben Geschwistern aufgewachsen war, sprach ebenfalls kein Italienisch. Er wurde im Zweiten Weltkrieg dennoch zum italienischen Militär eingezogen und musste sich von heute auf morgen zurechtfinden. Seine Frau ist ihm daraufhin sogar zeitweise nach Italien nachgereist.

     

    Eine solche Geschichte macht nachdenklich. Die Probleme von heute sind nicht weit weg von unserem Leben, dem Leben unserer nächsten Verwandten. Deren Erfahrungen fanden erst vor einer Generation statt. Diese Ausstellung hätte sicher die Billigung von Marios Mutter gefunden. Mario Andruet  hat sie mit verschiedenen Künstler/innen gestaltet. Er hat die Werke in verschiedenen Workshops mit Kindern während der Kinderferienaktion, mit SchülerInnen vom Berufsbildungszentrum Merzig und mit dem Erwachsenen Kurs der sich einmal im Monat hier im Atelier trifft, mit viel Freude und Engagement erarbeitet und begleitet.

     

    Sie sehen hier auch Bilder, gemalt von Flüchtlingen, die Kunst als ein Mittel nutzen, Flucht und Migration zu verarbeiten. Sie schaffen es aber auch bereits, sich ihre neue Heimat mit den Mitteln der Kunst zu erschließen. Das gibt uns Hoffnung und macht auch viel Freude mit ihnen zu Arbeiten.

     

    Die Kombination und Vielfalt der Künstler und ihres Schaffens in dieser Zusammenstellung bietet eine kreative abwechslungsreiche Ausstellung.

     

    Hinzu kommen Skulpturen von Cathleen Kelkel, Bilder von M. Kadro und Bildern von Haider der in Nalbach lebt , Künstler, die in Saarland bereits länger präsent sind und die ihre künstlerische Sprache mit einbringen und daneben hängen natürlich auch die Bilder von Mario Andruet.